Vielleicht kennst du das Gefühl: Du scrollst durch deinen Instagram-Feed, öffnest LinkedIn, schaust ein YouTube-Video und überall begegnet dir dasselbe Thema:
KI-Websites. Vibe-Coding. Cursor. Lovable. Claude Code.
Tools, die in wenigen Minuten eine fertige Website produzieren sollen.
Was mich persönlich dabei ins Grübeln gebracht hat, war nicht der Hype an sich. Hype gibt es immer. Was mich wirklich verunsichert hat, war etwas anderes: Plötzlich sind es nicht mehr nur Neulinge oder Technik-Enthusiasten, die von diesen Tools schwärmen. Es sind gestandene Experten, also Menschen, die seit Jahren mit WordPress arbeiten und ganze YouTube-Kanäle mit WordPress-Tutorials aufgebaut haben, die über Hunderte von Videos erstellt haben ubd erklären wie man mit WordPress arbeitet.
Genau diese sagen jetzt: Ich habe keine WordPress-Website mehr. Ich lasse meine Website mit KI programmieren.
Und da stellt man sich unweigerlich die Frage: Ist WordPress wirklich noch die richtige Wahl?
Ich habe mich das auch gefragt und ich habe es ausprobiert. Einen Abend lang habe ich mir mit Cursor, GitHub und Vercel eine eigene Website erstellt. Also eine KI-Website, ganz ohne WordPress oder Plugins. In diesem Artikel teile ich, welche Erfahrungen ich dabei gemacht habe, was mich beeindruckt hat, was mich genervt hat und welche klare Empfehlung ich für dich habe. Los geht’s!
Zwei Wege, eine Website zu bauen
Bevor wir tiefer einsteigen, ist eine Unterscheidung wichtig. Denn „KI-Website“ ist nicht gleich „KI-Website“. Es gibt zwei grundlegend verschiedene Ansätze – und die Verwechslung der beiden sorgt für einen Großteil der Verwirrung.
KI auf WordPress-Basis
Der erste Weg: WordPress bleibt dein Fundament.
Du nutzt KI lediglich als Hilfsmittel, um einzelne Elemente umzusetzen, die mit einem Page Builder oder Theme alleine nur schwer oder sehr zeitintensiv realisierbar wären. Konkret bedeutet das: Du lässt dir von der KI einen HTML-Code-Snippet generieren und fügst ihn direkt in deine WordPress-Seite ein. Fertig.
Das ist kein neues Konzept, denn ich mache das selbst und habe es in der Vergangenheit schon regelmäßig so gehandhabt. Es ist eine sinnvolle Ergänzung zum bestehenden Workflow, keine Revolution.
KI komplett ohne WordPress
Der zweite Weg ist komplettanders. Hier verzichtest du vollständig auf WordPress. Das heißt, du hast kein Theme, keine Plugins und kein Backend. Stattdessen wird die gesamte Website mit KI-Tools wie Cursor generiert, der Code über GitHub verwaltet und das Ganze über einen Dienst wie Vercel gehostet und veröffentlicht.
Das ist auf das Wesentliche reduziert und genau, dass ist es jetzt, dass gerade so viel Aufmerksamkeit bekommt. Und genau diesen Weg habe ich selbst ausprobiert.
Mein Selbsttest mit Cursor, GitHub und Vercel
Ich habe mich eines Abends hingesetzt und es einfach ausprobiert. Kein großes Briefing, keine stundenlange Vorbereitung. Ich habe Cursor geöffnet, grob beschrieben, wie die Website aussehen soll und dann zugeschaut.
Der Prozess war super einfach: Cursor generiert den Code, dieser wird in GitHub hochgeladen, und über Vercel ist die Website wenige Minuten später live im Netz. GitHub und Vercel sind sogar kostenlos nutzbar.
Gut zu wissen:
Falls du an irgendeiner Stelle nicht weiter weißt, kannst du die KI auch direkt um Hilfe bitten. Die KI wird dir das alles Schritt für Schritt erklären.
Was mich beeindruckt hat:
Das Ergebnis war überraschend gut. Ohne tiefes Vorwissen, ohne CSS-Anpassungen, ohne stundenlange Optimierung für Smartphone und Tablet. Die Website war von Anfang an responsiv, das heißt, die KI hat einfach von Beginng an einfach mitgedacht.
Ich selbst kann rudimentär CSS, aber JavaScript oder PHP sind nicht meine Welt. Es spielt also keine Rolle, ob du programmieren kannst oder nicht.
Was mich am meisten beeindruckt hat, war die Geschwindigkeit. Von der Idee zur fertigen, live geschalteten Website in maximal 3 Stunden. Das ist wirklich bemerkenswert.
Was mich gestört hat:
Dann wollte ich einen Text ändern und genau da wurde es mühsam.
Denn bei einer KI-Website gibt es kein Textfeld, das du einfach anklickst und bearbeitest. Ich musste der KI erklären: Auf dieser Seite XY steht der und der Text, bitte ändere ihn in den und den Text. Das klingt nach einer Kleinigkeit. Aber wenn du gewohnt bist, dich in WordPress einzuloggen und einen Satz in Sekunden zu ändern, dann nervt das.
Noch dazu hab ich folgendes beobachtet:
Obwohl ich der KI explizit gesagt habe, nur den Text zu ändern und das Design nicht anzufassen, war das Design nach jeder Runde minimal anders. Kleine Verschiebungen hier, leichte Veränderungen da. Theoretisch ist das nicht schlimm, aber genervt hat es mich trotzdem, vor allem weil ich explizit die ANweisung gegeben habe.
Und als ich dann noch einen Blick in die Browser-Konsole geworfen habe und muss sagen, dass unter der Oberfläche dann doch nicht alles so sauber ist, wie man sich das denkt. Ich hatte zum Beispiel pltzlich zwei H1-Überschriften auf einer Seite. Ein absolut klassischer SEO-Fehler und absolutes No Go! Schade, denn insgesamt hätte ich mit solch einem Schnitzer nicht gerechnet.
Bitte Beachte:
Verlass dich nicht blind auf das, was die KI ausspuckt. Auch wenn das Ergebnis optisch überzeugend wirkt, musst du die Website manuell prüfen und zwar gründlich. Prüfe die Alt-Texte, die Überschriften-Hierarchie, usw.
Stärken und Grenzen von KI-Websites
Eine faire Bewertung bedeutet, beide Seiten zu benennen. Also fangen wir mit dem an, was KI-Websites wirklich gut machen.
Was KI-Websites gut können
Die Geschwindigkeit ist eine Website zu erstellen ist der Hammer.
Was bei WordPress Stunden oder Tage dauert (Theme einrichten, Plugins installieren, Design abstimmen, für Mobilgeräte optimieren, usw) das erledigt die KI in einem Bruchteil der Zeit. Und das Ergebnis ist dabei oft direkt responsiv. Kein manuelles Anpassen für Tablet und Smartphone. Die KI denkt von Anfang an mit.
Dazu kommt: Kein Wartungsaufwand. Keine Plugins, die aktualisiert werden müssen. Kein wöchentlicher Login, um Sicherheitsupdates einzuspielen. Und das Design ist in sich konsistent, weil es aus einem Guss generiert wird, ohne dass verschiedene Plugins oder Theme-Einstellungen miteinander in Konflikt geraten.
Und noch ein Punkt, den ich fair benennen möchte:
Die Designqualität ist beeindruckend. Vergleicht man eine KI-Website mit einer Website, die von jemandem erstellt wurde, der noch wenig Erfahrung hat, kaum Zeit investiert hat und kein ausgeprägtes Designgefühl mitbringt, dann Wette ich mir dir, wird die KI-Umsetzung in Sachen Design klar die Nase vorn haben. Das ist eine echte Stärke, die man nicht kleinreden sollte.
Anders sieht es natürlich aus, wenn eine designaffine Person mit dem nötigen Wissen am Werk ist, dann sind beide Ergebnisse sicherlich auf einem ähnlichen Level. Das sind echte Vorteile. Die sollte man nicht kleinreden.
Wo KI-Websites an ihre Grenzen stoßen
Und jetzt kommt das Aber! Eine KI kann nur so gut sein wie das Briefing, das sie bekommt. Und genau da liegt das eigentliche Problem.
Die meisten Menschen, die sich eine KI-Website erstellen, überspringen die komplette Vorarbeit. Keine Zieldefinition. Kein Seitenstrukturkonzept. Kein Wissen darüber, welches Framework für welchen Seitentyp sinnvoll ist. Keine klare Vorstellung von der eigenen Zielgruppe.
Das Ergebnis ist dann, dass man eine optisch ansprechende Website hat, die aber strategisch ins Leere läuft.
Denn eine Startseite folgt einem anderen Aufbau als eine Leistungsseite. Eine Seite für ein Coaching-Angebot braucht eine andere Struktur als eine Seite für eine Dienstleistung oder einen Online-Kurs. Diese Frameworks existieren nicht ohne Grund, sie sind das Ergebnis davon, wie Menschen Entscheidungen treffen und was sie überzeugt. Wer das nicht kennt und der KI nicht mitgibt, bekommt eine Website, die gut aussieht, aber nicht konvertiert.
Hinzu kommt die Frage der Unabhängigkeit. Ein echtes CMS, wie WordPress es bietet, gibt es bei KI-Websites nicht, zumindest nicht in der Form, wie du kennst. Änderungen laufen über Prompts oder direkt im Quellcode. Das finde ich nicht optimal und es geht einfach schneller wenn ich eine kleine Anpassung selbst vornehme, als wenn ich die KI darum bitte.
KI-Website oder WordPress?
Die ehrliche Antwort lautet: Es kommt darauf an, was du von deiner Website erwartest.
Wenn du eine einfache Visitenkarte brauchst, dein Name, deine Kontaktdaten, vielleicht ein kurzer Überblick über das, was du machst, dann ist eine KI-Website eine schnelle, unkomplizierte Lösung. Wenig Inhalt, kaum Änderungsbedarf, kein Wachstumsanspruch. In diesem Fall spricht nichts dagegen.
Wenn du deine Website aber als echten Teil deines Business siehst, also als Kanal für Kundenanfragen, als Plattform für einen Blog, als Basis für einen Newsletter, dann brauchst du ein System, das mit dir wächst.
Für mich ist eine Website keine einmalige Sache. Sie ist eher wie eine Pflanze oder ein Kind: Sie muss gepflegt, angepasst, optimiert und erweitert werden. Sie wächst mit deinem Business. Sie verändert sich, wenn du dich veränderst. Und dafür brauchst du ein System, das du selbst in der Hand hast.
WordPress gibt dir genau das.
Du kannst Inhalte eigenständig ergänzen, einen Blog aufbauen, einen Newsletter integrieren und das alles ohne fremde Hilfe und ohne Umwege über eine KI.
| KI-Website | WordPress | |
|---|---|---|
| Aufwand Erstellung | Sehr gering | Mittel |
| Wartung | Kaum | Regelmäßig |
| Änderungen selbst vornehmen | Eingeschränkt | Vollständig |
| Geeignet für | Einfache Visitenkarte | Ernsthaftes Online-Business |
Warum ist Unabhängigkeit so wichtig?
Unabhängigkeit klingt abstrakt. Aber in der Praxis bedeutet es ganz konkret: Du kannst selbst aktiv werden. Du musst nicht warten. Du musst niemanden fragen. Du loggst dich ein und änderst, was geändert werden muss und zwar sofort und ohne Umwege.
Das ist bei einer KI-Website nicht so einfach.
Du hast zwei Optionen: Entweder du formulierst einen Prompt und hoffst, dass die KI genau das umsetzt, was du meinst und das ohne dabei anderes anzufassen. Oder du gehst direkt in den Quellcode. Beides ist eine Hürde. Beides kostet Zeit. Und beides setzt voraus, dass du weißt, was du tust.
WordPress hingegen ist ein System, das dich befähigt. Es wurde gebaut, damit Menschen ohne Programmierkenntnisse ihre Website eigenständig pflegen können. Das ist kein Zufallsprodukt, das ist Designprinzip.
Ich erlebe das immer wieder bei Kunden, die zu mir kommen. Nicht selten sind es Menschen, die vorher mit einer Agentur oder einem Freelancer gearbeitet haben und die nicht einmal die Zugangsdaten zu ihrer eigenen Website hatten. Ihre eigene Website. Und sie kamen nicht ran.
Das ist keine Kleinigkeit. Das ist ein vollständiger Verlust der Kontrolle über einen der wichtigsten digitalen Kanäle deines Business.
WordPress gibt dir diese Kontrolle zurück. Und das ist, neben allem Technischen, der entscheidende Grund, warum ich es nach wie vor empfehle.
Fazit
WordPress ist nicht tot. Es hat sich nur der Lärm darum verändert.
KI-Websites sind ein interessantes Werkzeug: schnell, unkompliziert und für bestimmte Zwecke absolut ausreichend. Wenn du eine einfache Visitenkarte brauchst und keine großen Ambitionen mit deiner Website verbindest, ist das ein legitimer Weg.
Aber wenn du eine Website willst, die wirklich arbeitet, die Kundenanfragen generiert, die mit deinem Business wächst, die du jederzeit selbst anpassen kannst, dann ist WordPress nach wie vor die richtige Wahl.
Nicht weil es das glänzendste neue Tool ist. Sondern weil es ein solides, bewährtes Fundament ist, das dich befähigt statt abhängig macht.
Also mein Fazit nach dem Selbsttest: Ich bleibe bei WordPress und ich empfehle es weiterhin und zwar mit voller Überzeugung!